Frauenpower: Zeiten zum Umdenken!
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Frauenpower: Zeiten zum Umdenken!

Sie werden Bundessieger, Weltmeister, sind die vermeintlich besseren Ausbilder. Aber in der Hetzhose sieht man sie selten. Dabei steht und fällt eine Ortsgruppe, die sich dem IPO-Sport verschrieben hat, mit dem Schutzdiensthelfer. Ist keiner da, ist das Ende faktisch eingeläutet, wenn sich die Mitglieder nicht für eine der anderen Sportarten begeistern können. Dabei sind die gängigen Vorurteile, warum „Frauen als Helfer nicht funktionieren“, schnell entkräftet.

„Die Zeiten in denen nur der dicke Oberarm gezählt hat, sind doch schon lange vorbei.“ (Jochen Seufert, Lehrhelfer der Landesgruppe Baden, Verein für Deutsche Schäferhunde)

Er fügt hinzu: „Es gibt doch genug männliche Helfer, die auch nicht die Größten und Stärksten sind und trotzdem Deutsche und Weltmeisterschaften hetzen.“ Für den 35-Jährigen spielt es letztlich keine Rolle, wer die Hose an hat, wenn die Einstellung und das Know-How stimmen. In vielen Situationen kommt es auf die Technik an und nicht auf die Muskeln.

An beidem arbeitet derzeit Bianca Schrijver-Polderman aus Kruiningen in den Niederlanden. Mit ihrem Rottweiler Caesar war sie auf der Suche nach einer adäquaten Beschäftigung und landete beim PHV Walcheren- de Piet einem K.N.P.V. - Verein.

Dort steht die 34-Jährige seit gut vier Jahren ab und zu in der Hetzhose. „Mich hat die Helferarbeit von Anfang an sehr interessiert und irgendwann habe ich mich einfach getraut. Zum Glück erfahre ich vom Verein eine große Unterstützung, indem ich angeleitet werde und man mir auch Hunde für mein Training zur Verfügung stellt.“ Ihr fehlt zwar noch die Kraft udn das Timing erwachsene Hunde auf der langen Flucht korrekt anzunehmen, aber sie arbeitet daran:

„Das mache ich momentan noch nur die junge Hunde auf die kurze Distanz." Bianca ist kein offizieller KNPV-Vereinsprüfungshelfer. Soweit sind sie in den Niederlanden noch nicht. Aber sie hat Spaß am Junghundaufbau und möchte auch andere Mädels ermutigen, mal die Hetzhose anzuprobieren. "Mir hilft die Sichtweise aus dieser auch für die Ausbildung meines eigenen Hundes."

Einen Schritt weiter ist Sybille Achermann aus der Schweiz. Sie hat vor kurzem den Basishelferkurs des Schweizerischen Schäferhundclubs (SC) absolviert. Bei den Eidgenossen werden Figuranten in Kursen überprüft bzw. lizensiert. Sie müssen dort praktisch arbeiten aber auch einen schriftlichen Teil absolvieren, der bei dem Kurs „Prüfungshelfer“ sogar eine eigene Videoanalyse beinhaltet sowie ein Referat über ein selbstgewähltes Thema. Ohne diese Lizenzlehrgänge dürfen die Helfer weder OG-Prüfungen noch auf überregionales Wettkämpfen eingesetzt werden.

Sybille Achermann hat nun den Grundstein gelegt. „Der Schutzdienst hat mich schon als Hundeführerin immer interessiert. Als ich einmal den Ärmel anziehen durfte hat es

mir sofort gefallen. Also habe ich mich dann für den Basiskurs entschieden“, berichtet sie. Die lange  Flucht stellt sie noch immer vor große Herausforderungen. Der Moment, wo der Hund den Ärmel zu fassen bekommt, sei für sie der Schwierigste. „Da wird einem viel abverlangt, weil zusätzlich noch weiteres Gewicht und mehr Wucht dazu kommt“, beschreibt Sybille Achermann. An dieser Schwäche will sie weiter arbeiten und irgendwann den Kurs „Vereinshelfer“

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Text: Katja Peters
Foto: Michiel Schaak