Disziplin, Ehrgeiz, Leidenschaft

Disziplin, Ehrgeiz, Leidenschaft

Das Working-Dog-Magazin besuchte Roland Schirling, 2016 Sieger des DMC FH Championats mit Independent Spirit´s Isidora

Roland Schirling ist in seinem Element, wenn es um das Thema Fährtenarbeit geht. Der Mann mit der roten Nickelbrille und dem Dreitagebart ist sehr freundlich und strahlt Gelassenheit aus. Er lehnt sich zurück in sein Sofa und kommt sofort in Plauderstimmung.

Auf den Hund gekommen ist er 1994. Da zog der erste Hovawart bei Familie Schirling ein. Richtigen Hundesport hat er mit ihm noch nicht gemacht. „Nur so´n bisschen Hausfrauensport – Tonnenhüpfen, ein bisschen Unterordnung und hin und wieder Schutzdienst.“

1997 kam dann die Hovawart-Hündin Edda vom Büssemfeld dazu. Mit ihr hat Roland seine ersten Schritte in der Fährte gemacht. Amüsiert berichtet er, wie er damals von Schleppfährte, über Pflasterfährte bis Beutefährte alles ausprobiert hat. Das war alles noch nicht sonderlich ausgereift, trotzdem gelang es Roland, die Hündin zwei Mal auf der RZV FH DM zu führen. „Wir haben da bestanden. War nicht hervorragend. Aber für mich war das schon Wahnsinn!“

Richtig durchgestartet ist Roland mit Cado von der Hovestadt genannt Willi. „Da hab ich zumindest die Fehler, die ich bei Edda gemacht habe, nicht wiederholt. Dafür sind mir viele andere eingefallen!“ erzählt er lachend und fügt, nicht ganz ohne Stolz hinzu, dass es mit Willi doch ganz gut gelaufen ist.

Das kann man wohl sagen, wenn man drei Mal die RZV FH DM, zwei Mal die DVG BSP FH und ein Mal die dhv FH Meisterschaft gewonnen hat. Roland neigt zum Understatement und nimmt sich selbst nicht zu wichtig.

Learning by doing...

... so beschreibt Roland die Ausbildung von Willi. Klar, inzwischen hatte er schon eine Menge “Schubladen Know How“ angesammelt, aber das passte bei Willi nicht immer. „Er war, für einen Hovawart eher untypisch, sehr, sehr nervig.“ Und so bestand die Kunst nicht nur darin, ihn technisch gut auszubilden, sondern auch herauszufinden, wie man ihn für eine Prüfung so einstellen kann, dass er nicht die Nerven verliert.

Aber Roland führte nicht nur Hovawarte, sondern auch den Deutschen Schäferhund Bodo von der Lahrstraße, den er von seiner Frau übernommen hatte und seine jetzige Malinois-Hündin Isi (Independent Spirit´s Isidora).

Da gab es bestimmt große Unterschiede bei der Fährtenveranlagung und der Ausbildung der verschiedenen Rassen. Roland zögert kurz, dann schüttelt er den Kopf: „Die wollten alle!“ Allerdings hat bzw. hatte er mit Isi und Willi eher untypische Vertreter ihrer Rasse. Der Hovawart hatte ein schwaches Nervenkostüm, während die Mali-Hündin diesbezüglich so stabil ist, wie Roland es vom Deutschen Schäferhund kennt. Seine Herangehensweise war jedoch schon unterschiedlich.

„Bei Willi stand im Vordergrund – du hast einen Hovawart, also musst du da Leben reinbringen. Und das ist dann manchmal vielleicht auch ein bisschen ausgeartet!“ Bei dem Gedanken daran, fängt er an zu lachen. „Bei Isi war mir von vorne herein klar: Wenn du überhaupt mit einem Mali klar kommen willst, dann brauchst du Ruhe.“ Dass Roland mit diesem Wissen gezielt nach einem Mali mit Nervenstärke gesucht hat, liegt auf der Hand. Dennoch glaubt er, dass ein typischer, nervenstarker Deutscher Schäferhund tendenziell die besseren Voraussetzungen mitbringt. „Unsere VDH Mannschaft – das sind nur Deutsche Schäferhunde. Und ich glaube, die DVG Mannschaft besteht auch nur aus Deutschen Schäferhunden.“ Die Zeit, als Malis auf VDH Ebene hoch mitgespielt haben, ist schon eine Weile vorbei. Schelmisch grinsend fügt er hinzu: „Aber jetzt komme ja ich!“

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Text:  Mike Scheffner
Foto: Kurt Buffel